Kuriositäten aus der Vogelwelt

Wenn man sich die Zeit nimmt und genauer hinsieht, bemerkt man, dass die Natur allerhand Besonderheiten und Kuriositäten hervorbringt.

Warum Spechte keinen Kopfschmerzen bekommen

Grünspecht

Grünspecht.

Wer kennt es nicht, das typische Verhalten von Spechten. Stundenlang wird gegen Bäume und Äste gehämmert. Der Schnabel der Spechte dient als vielseitiges Werkzeug. Einerseits werden damit Bruthöhlen in den Baum geschlagen, anderseits entfernen sie so die Rinde der Bäume um an die sich darunter befindlichen Insekten zu gelangen. Aber auch als Reviermarkierung und zur Balz dient dieses Verhalten. Bis zu 20-mal in der Sekunde und mit einer Geschwindigkeit von bis zu 25km/h kann ein Specht zuschlagen. Der in Kanada beheimate Helmspecht klopft bis zu 12.000-mal pro Trag.

Doch wie kann das Gehirn der Spechte diesen Belastungen standhalten und das ganz ohne Kopfschmerzen? Entscheidend ist, dass sich die Anatomie eines Spechtschädel gravierend von der anderer Vogelarten unterscheidet: Schon die Form ist im Vergleich zu anderen Vogelarten abgewandelt und auf einer gedachten Achse vom Schnabel bis zum Hinterkopf besteht dieser gänzlich aus Knochen. Am Hinterkopf ist die Knochensubstanz besonders stark und schwammartig. Das Gehirn des Spechtes liegt über dieser knöchernen Achse. Deswegen werden nur die Knochen von den Druckwellen der Stöße durchdrungen, das darüber liegende Gehirn bleibt davon verschont.

Außerdem verfügen Spechtschädel über ein internes Stoßdämpfersystem: Innerhalb des Schädels findet man Muskeln, die sich entgegen der Schlagrichtung des Schnabels vorspannen lassen und somit als natürliche Federung fungieren.
Auch der Schnabel verfügt über eine spezielle Anatomie. Er weist einen Knick auf, der bewirkt, dass die Kräfte nicht an dieser Stelle als Schlagkräfte entstehen, sondern als Zugkräfte am Schädel wirken und  somit ein wirksamer Schutz vor einem Bruch des Schnabels darstellt.

Dauerflieger – Mauersegler

Zur Verfügung gestellt von Rob Belterman

Zur Verfügung gestellt von Rob Belterman.

Der in Mitteleuropa heimische König der Lüfte – der Mauersegler (Apus apus) ist Rekordhalter als Dauerflieger. Vom Zeitpunkt des Ausfliegens aus dem Nest als Jungvogel bis zu ihrer ersten Brut, fliegen sie durchgehend ohne jemals den Boden aufzusuchen. Sie befinden sich daher etwa drei Jahre lang pausenlos in der Luft und schlafen dabei sogar. Aber auch danach landen sie nur zur Brutpflege und verbringen den Rest ihres Lebens fliegend.

Wir wissen nur sehr wenig über das Dauerhafte Leben im Himmel, aber wenn man den Tieren zusieht wie sie im Sturzflug bei ihren Flugmanövern bis zu 200 km/h erreichen, kann man erahnen, was es heißt frei zu sein. Im Schlaf bewegen sie sich die Tiere nur mit ca. 23 h/km durch die Lüfte.

Frostige Kinderstube

Im Gegensatz zum üblichen Brutverhalten unserer Singvögel, ist die Haupt-Brutperiode des Fichtenkreuzschnabels von Dezember bis Mai. Selbst bei -35 Grad erfrieren die Jungtiere nicht. Diese Finkenart baut ihr Nest hoch oben in Nadelbäumen, sodass es durch überhängende Äste vor Schnee und Wind geschützt liegt. Je kälter die Witterung, umso besser wird es durch Moos, Federn und anderen wärmenden Materialen gepolstert. Ab den 16. Tag werden die Jungtiere nicht mehr durchgehend von ihrer Mutter gehudert sondern werden während der Nahrungssuche allein gelassen. Als Folge dessen kühlen die Küken oft aus und sind stark inaktiv wenn die Elterntiere zurückkommen. Nach wenigen Minuten Hudern erreichen sie wieder ihren normalen Aktivitätsgrad.

Kürzeste Beine

Mauersegler sind besonders aufregende Tiere, denn die Gattung der Segler ist noch in einer zweiten Kategorie Rekordhalter. Sie haben die kürzesten Beine im ganzen Vogelreich. Nur zehn bis zwölf Millimeter sind die Beinchen dieser Vogelfamilie – inklusive der Zehen! – lang. Der Grund dafür ist die optimale Anpassung an ihre Lebensweise. Ein Vogel, der den größten Teil seines Lebens in der Luft verbringt, benötigt keine langen Beine. Dafür sehen ihre Krallen fast so spitz aus wie bei einem Greifvogel. Damit können sie sich optimal an Hauswände ankrallen um ihre Brutstube zu besuchen.

Von Monika Löffler-Friedrich

Quellen: