Jungvogel gefunden

Findet man einen Jungvogel, so muss zunächst entschieden werden, ob das gefundene Tier überhaupt Hilfe benötigt. Wichtig ist: Vogelkinder dürfen angefasst werden. Erwachsene Vögel stören sich nicht am menschlichen Geruch. Daher können aufgefundene Vögel ruhig aufgehoben, auf Verletzungen untersucht und zurück ins Nest bzw. in ein Gebüsch gesetzt werden. Bitte bei Greifvögeln aufpassen – auch Jungtiere können schon kräftig zubeißen und sich mit ihren starken Fängen festkrallen. Daher immer nur vorsichtig mit dicken Handschuhen oder einer Decke nähern. Wird ein Vogel aufgefunden, muss man als erstes folgende Dinge unterscheiden: Handelt es sich um einen Nestling, Ästling oder um ein erwachsenes verletztes Tier?

Nestlinge

Nestling - Mönchsgrasmücke

Nestling – Mönchsgrasmücke

So werden Vogelkinder genannt, solange sie sich im Nest aufhalten. Anfangs noch nackt und mit geschlossenen Augen, später immer mehr befiedert bis sie schlussendlich das Nest verlassen. Wird ein noch nackter oder nicht vollständig befiederter Jungvogel gefunden, braucht dieser Hilfe. Sie können außerhalb des Nestes nicht überleben. Nestlinge werden nicht außerhalb des Nestes gefüttert. Weiß man, wo sich das Nest befindet, kann das Tier vorsichtig zurückgesetzt werden. Ist dies nicht möglich, ist es auf menschliche Hilfe angewiesen. Nach dem Zurücksetzen sollte das Nest noch einige Zeit aus sicherere Entfernung beobachtet werden, manchmal hat es einen Grund weswegen die Küken das Nest verlassen (z.B. Parasitenbefall – für den Menschen aber ungefährlich), sodass noch weitere Jungtiere Hilfe brauchen.

Ästlinge

Kernbeißer - Ästling

Kernbeißer – Ästling

Sobald die Vogelkinder unserer Singvögel fertig befiedert sind, verlassen sie noch flugunfähig das Nest. Sie werden noch rund zwei Wochen (bei Rabenvögel dauert diese Phase bis zu fünf Wochen) weiter von den Eltern versorgt und lernen langsam die selbstständige Nahrungsaufnahme, sowie das Fliegen. Jungvögel erkennt man an den meist gelben oder weißen dicken Schnabelwülsten. Wird ein solches Tier aufgefunden, sollte es mindestens ein bis zwei Stunden aus sicherer Entfernung beobachtet werden, um zu sehen ob es von den Elterntieren versorgt wird. Nur wenn dies nicht der Fall ist, das Tier verletzt ist oder immer schwächer wird, ist menschliches Einschreiten gefragt. Sitzt ein Ästling in unmittelbarer Gefahrenzone, kann man das Tier ohne Probleme vorsichtig in einen nahen Busch setzen. Ein Radius bis zu 25 Metern ist kein Problem.

Schwalben und Mauersegler

Mauersegler ca. 12 Tage alt

Mauersegler ca. 12 Tage alt

Werden diese Tiere am Boden aufgefunden, brauchen sie, unabhängig von ihrem Alter, Hilfe. Sie verbringen die meiste Zeit ihres Lebens in der Luft, vor allem Mauersegler unterbrechen ihren Flug nur zur Brutpflege. Diese Tiere sind sehr speziell in der Handhabe, benötigen spezielles Futter und den richtigen Umgang. Sie sterben sehr schnell, wenn man beispielsweise ein nicht artgerechtes Futter verwendet. Bitte werfen Sie die Tiere nicht in die Luft, um sie zum Fliegen zu animieren – dabei können schlimme Verletzungen entstehen, weswegen die Tiere euthanasiert werden müssen. Im Zweifelsfall können Sie die Wildtierhilfe Wien kontaktieren.

Wir empfehlen daher folgende Vögel aufzunehmen:

  • Nestlinge außerhalb des Nestes
  • Ästlinge, die nicht mehr von ihren Eltern gefüttert werden oder sich in direkter Gefahrenzone befinden und nicht umgesetzt werden können
  • Vögel, die Katzenkontakt hatten (Gabe eines Antibiotikums dringend empfohlen!)
  • Jungtiere, die offensichtlich verletzt sind
  • Mauersegler und Schwalben, die am Boden aufgefunden werden
  • Entenküken, die alleine aufgefunden werden

Erste Hilfe für Vögel

  1. Sichern Sie das Tier in einem kleinen dunklen Karton, den Sie (vorher!) mit Luftlöchern versehen haben. Für ganz kleine, nackte Tiere kann aus Küchenrolle ein kleines Nest geformt werden. In diesem Karton kann das Tier auch in Ruhe transportiert werden!
  2. Fühlt sich der Vogel kalt an, ist er durchnässt oder handelt es sich um ein noch nicht befiedertes Küken, wärmen Sie ihn vorsichtig auf, indem Sie den Karton zur Hälfte auf einer Wärmeflasche, Kirschenkernkissen, mit warmen Wasser gefüllten Einweghandschuh etc. platzieren. Vorsicht: Überhitzungsgefahr! Der Vogel muss immer eine kühlere Stelle aufsuchen können. Da Wärmelampen einen stark austrocknenden Effekt haben, raten wir von der Verwendung dieser ab.
  3. Unterkunft auf Ausbruchsicherheit überprüfen.
  4. Kontaktieren Sie die Wildtierhilfe Wien oder eine andere Pflegestelle in Ihrer Nähe. Gerade Jungtiere müssen schnell versorgt werden.
  5. Erst in Absprache mit einer Wildtierauffangstation dürfen Futter bzw. Wasser verabreicht werden. Schwache Tiere können sich schnell verschlucken und ersticken. Zu frühes Füttern kann zu Verdauungsproblemen und folglich zu Kreislaufversagen führen. Nur wenn für eine Beratung niemand erreichbar ist, empfehlen wir, nach der Anleitung im folgenden Punkt „Futter und Wasser“ vorzugehen.

Futter und Wasser

  • Bitte nur unter vorheriger Absprache mit einer Wildtierauffangstation oder einem wildtierkundigem Tierarzt Futter oder Wasser verabreichen. Ein kaltes, verletztes Tier muss zuerst gewärmt und medizinisch versorgt werden, bevor Futter und Wasser verstoffwechselt werden können. Hinzu kommt, dass die Artbestimmung – besonders bei noch nackten Jungvögeln – für Laien oft sehr schwierig ist. Deswegen sollte erst mal kein Futter angeboten werden. Das falsche Futter kann tödliche Folgen haben!
  • Falls niemand erreichbar ist, gehen Sie bitte folgendermaßen vor: Ist das Tier aufgewärmt und medizinisch versorgt, kann eine Lösung aus lauwarmem Wasser und Traubenzucker in einer flachen Schüssel angeboten werden. Wird diese nicht angenommen, können Sie vorsichtig außen (!) den Schnabelrand mit Wasser benetzen. Es reicht ganz wenig Wasser aus, das anschließend abgeschleckt oder mit kleinen Schluckbewegungen aufgenommen werden sollte. Das ist eine Angelegenheit, die sehr langsam vorangeht, da so immer nur winzige Wassermengen aufgenommen werden. Werden Sie nicht ungeduldig, lassen Sie die Wassertropfen am Schnabelrand nicht immer größer werden. Insbesondere bei der Verwendung von Pipetten ist die Verschluckungsgefahr sehr groß. Niemals Wasser in den Schnabel hineintropfen lassen – Erstickungsgefahr!

Transport

  • Hierfür bitten wir Sie, nasses Futter und Wasser wieder aus der Transportbox zu entfernen, damit das Tier nicht nass wird.
  • Der Vogel muss ausbruchssicher verstaut werden. Für Jungtiere reicht ein Schuhkarton mit Luftlöchern, welcher gut zugeklebt so verstaut wird, dass er beim Transport nicht umherrutschen kann. Handelt es sich um einen Nestling, sollte dieser in einem engen Nest (etwa aus zusammengerollter Küchenrolle) innerhalb des Kartons sitzen.
  • Auch während der Fahrt sollte das Tier warm bleiben, daher ggf. ein lauwarmes Thermophor oder ein Kirschkernkissen so in oder unter der Box anbringen, dass der Vogel notfalls der Wärmequelle ausweichen kann.

Was Sie nicht tun sollten

  • Geben Sie dem Tier bitte kein Futter und auch kein Wasser ohne vorherige Absprache:
    Geschwächte Tiere müssen erst mit Infusionen aufgebaut werden, bevor sie in der Lage sind Futter zu verdauen. Füttern Sie insbesondere keine Regenwürmer, Käfer, Wespen, keine Milchprodukte, kein Müsli, kein Hunde/Katzenfutter oder Hackfleisch (Ausnahme Rabenvögel), kein Brot oder Speisereste. Auch die unsachgemäße Versorgung mit Wasser kann schiefgehen – das Tier kann sich verschlucken und ersticken (kommt häufig vor bei geschwächten Jungtieren – daher bitte keine Selbstversuche). Insbesondere bei der Verabreichung von Wasser mittels Pipetten ist die Gefahr, etwas falsch zu machen, sehr groß!
  • Verabreichen Sie bitte keine Medikamente, Entwurmungstabletten oder ähnliches. Wildtiere vertragen oftmals die Medikamente unserer Haustiere nicht.
  • Werfen Sie bitte keine Vögel in die Luft. Auch Mauersegler können vom Boden aus starten, wenn sie gesund sind.
  • Wir raten dringend von der Verwendung von Wärmelampen ab, da durch diese die Vögel stark dehydrieren. Stattdessen empfiehlt sich die Verwendung von Wärmematten/Thermophor/Kirschkernkissen.
  • Lassen Sie keine Wasserschüsseln in dem Transportbehältnis! Das Wasser wird sonst beim Transport verschüttet, der Vogel wird kalt und kühlt aus!
  • Die Aufzucht eines Jungvogels ist eine wunderschöne Aufgabe, die aber auch mit viel Arbeit und finanziellem Aufwand verbunden ist und entsprechendes Fachwissen benötigt. Die Tiere brauchen neben dem richtigen, oft sehr breit gefächerten Nahrungsangebot, Vitamin-Zusätze, Parasitenbehandlung etc. Auch die Aufzucht von einzelnen Tieren empfiehlt sich nicht, da es hier zu einer schweren Fehlprägung kommt, die den Tieren ein Überleben in der Natur enorm erschweren. Sobald sie das Nest verlassen, müssen sie lernen selbstständig zu fressen und brauchen Flugtraining. Die Auswilderung sollte über eine geeignete Voliere erfolgen. Deswegen empfehlen wir immer die Weitergabe an fachkundige Hände.