Igel gefunden

Igel gefundenWir empfehlen daher folgende Igel aufzunehmen:

  • Nackte Igeljunge außerhalb des Nests – dabei handelt es sich höchstwahrscheinlich um verletzte Tiere, die ohne Nestwärme rasch auskühlen würden
  • Igel, die im November unter 600-700 g haben: ein Igel sollte an den Flanken nicht abgeflacht oder gar eingefallen sein – ein Igel ist bei gutem Ernährungszustand kugelig (siehe Foto unten)
  • Igel, die am Tag gefunden werden (unabhängig des Gewichts)
  • Igel, die verletzt oder wackelig sind, hinken und/oder den Kopf schief legen.
  • Igel, die vom Hund oder der Katze gebracht wurden, von Krähen oder Greifvögeln attackiert wurden, auch wenn sie unverletzt aussehen
  • Igel, die nachts gefunden werden und sich nicht einrollen und kein Abwerverhalten (Schnaufen, Aufstellen der Stachel) zeigen oder seitlich mit von sich gestreckten Armen und Beinen am Boden liegen
  • Mit weißen Stäbchen übersähte Igel: Dabei handelt es sich um Fliegeneier, bewegen sich diese, handelt es sich bereits um geschlüpfte Fliegenmaden, welche sich von Fleisch ernähren und daher dringend entfernt werden müssen!
  • Igel, die sich seit mehreren Tagen in Pflege befinden, aber nicht zunehmen.
  • Igel in Pflege, die stark stinken und/oder flüssigen Kot absetzen

Fotos und Videos helfen uns enorm dabei, den Gesundheitszustand eines Igels richtig einzuschätzen. So ist z.B. 450 g für einen Jungigel ein gutes Gewicht, für ein Alttier ist das aber u.U. sehr mager! Bitte beachten Sie aber beim Handling, dass die Stacheln eines Igels sehr spitz sind. Ziehen Sie sich zu Ihrem eigenen Schutz Arbeitshandschuhe an!

abgemagerter Igel

Ein abgemagerter Igel, erkennbar an den eingefallenen Flanken und dem spitzen Gesicht. Normalerweise gehen Kopf und Körper ineinander über, hier am Bild sieht man deutlich die Grenze (Hals) dazwischen. (Bildquelle: Finderin Manuela Steif)

Erste Hilfe für Igel:

  1. Wärmen Sie den Igel langsam mithilfe einer Wärmeflasche auf. Zur Not kann der Igel auch in ein Handtuch eingewickelt und mit der Hand aufgewärmt werden. Bitte verwenden Sie keine Wärmelampen, da diese den Igel zu stark austrocknen würden.
  2. Weist der Igel blutende Wunden auf, müssen diese kräftig mit Käsepappeltee gespült werden. Achten Sie bitte auf mögliche Fliegeneier oder Fliegenmaden – diese müssen unbedingt vollständig entfernt werden (Wattestäbchen, stumpfe Pinzette). Verwenden Sie in Käsepappeltee getränkte Abschminkpads (ohne Creme!) und Wattestäbchen um die Wunden zu reinigen. Dies ist nur eine Maßnahme zur Erstversorgung – eventuell muss die Wunde genäht und ein Antibiotikum verabreicht werden.
  3. Ist der Igel gut aufgewärmt und erstversorgt, kann er gewogen werden: Für WildtierpflegerInnen ist das Gewicht eine wichtige Information! Wenn möglich, fotografieren Sie bitte den ausgerollten Igel von oben und von der Seite, damit wir den Gesamtzustand besser beurteilen können.
  4. Unterbringung: Karton oder Kaninchenkäfig – vorerst ohne Einstreu! Bitte nur mit Zeitungspapier auslegen (ausgehungerte Igel könnten das Einstreu fressen). Igel können sehr gut klettern!
  5. Unterkunft auf Ausbruchsicherheit überprüfen!
  6. Wildtierhilfe Wien oder eine Pflegestelle in Ihrer Nähe kontaktieren.
  7. Erst in Absprache mit einer Wildtierauffangstation dürfen Futter bzw. Wasser verabreicht werden. Schwache Tiere können sich schnell verschlucken und ersticken. Zu frühes Füttern kann zu Verdauungsproblemen und folglich zu Kreislaufversagen führen. Nur wenn für eine Beratung niemand erreichbar ist, empfehlen wir, nach der Anleitung im folgenden Punkt „Futter und Wasser“ vorzugehen.

Futter und Wasser

  • Bitte nur unter vorheriger Absprache mit einer Wildtierauffangstation oder einem wildtierkundigem Tierarzt Futter oder Wasser verabreichen. Ein kaltes, verletztes Tier muss zuerst gewärmt und medizinisch versorgt werden, bevor Futter und Wasser verstoffwechselt werden können.
  • Falls niemand erreichbar ist, gehen Sie bitte folgendermaßen vor: Ist das Tier aufgewärmt und medizinisch versorgt, kann eine Lösung aus lauwarmem Wasser und Traubenzucker in einer flachen Schüssel angeboten werden. Wird diese nicht angenommen, können Sie vorsichtig außen (!) die Mundwinkel mit Wasser benetzen. Es reicht ganz wenig Wasser aus, das anschließend von den Lippen geschleckt werden sollte. Das ist eine Angelegenheit, die sehr langsam vorangeht, da so immer nur winzige Wassermengen aufgenommen werden. Werden Sie nicht ungeduldig, lassen Sie die Wassertropfen am Mundwinkel nicht immer größer werden. Insbesondere bei der Verwendung von Pipetten ist die Verschluckungsgefahr sehr groß. Niemals Wasser in das Maul hineintropfen lassen – Erstickungsgefahr!
  • Hat der Igel gut getrunken und wiegt dieser ungefähr 200 g, können ihm Futterinsekten  (z.B. Zophobas) und/oder ein möglichst hochwertiges Katzen- bzw. Hundefutter angeboten werden – sowohl Nassfutter als auch in Wasser eingeweichtes Trockenfutter sind in Ordnung. Im Idealfall enthält dieses keinen Zucker und weist einen hohen Proteinanteil auf. Unter 200 g benötigen Igel noch eine spezielle Katzenaufzuchtsmilch (keine Katzenmilch!).

Transport

  • Hierfür bitten wir Sie, nasses Futter und Wasser wieder aus der Transportbox zu entfernen, damit das Tier nicht nass wird.
  • Der Igel muss ausbruchssicher verstaut werden. Es reicht ein Schuhkarton mit Luftlöchern, welcher gut zugeklebt so verstaut wird, dass er beim Transport nicht umherrutschen kann.
  • Auch während der Fahrt sollte das Tier warm bleiben, daher ggf. ein lauwarmes Thermophor oder ein Kirschkernkissen so in oder unter der Box anbringen, dass der Igel notfalls der Wärmequelle ausweichen kann.

Was Sie nicht tun sollten:

  • Geben Sie dem Tier bitte kein Futter und auch kein Wasser ohne Absprache:
    Geschwächte Tiere müssen erst mit Infusionen aufgebaut werden, bevor sie in der Lage sind Futter zu verdauen. Füttern Sie insbesondere kein Gemüse, keine Nüsse oder Obst. Igel sind Insektenfresser und könnten auf diese Weise starke Verdauungsprobleme bekommen. Geben Sie keine Milch (auch keine Katzenmilch!) – diese können die Igel nicht verdauen. Auch die unsachgemäße Versorgung mit Wasser kann schiefgehen – das Tier kann sich verschlucken und ersticken (kommt häufig vor bei geschwächten Jungtieren – daher bitte keine Selbstversuche). Insbesondere bei der Verabreichung von Wasser mittels Pipetten ist die Gefahr, etwas falsch zu machen, sehr groß!
  • Behandeln Sie den Igel bitte nicht mit Stronghold, Frontline oder ähnlichen Präparaten gegen Flöhe und Zecken. Ein zu schwacher Igel überlebt eine solche Behandlung womöglich nicht.
  • Verabreichen Sie bitte keine Medikamente, Entwurmungstabletten oder ähnliches. Wildtiere vertragen oftmals die Medikamente unserer Haustiere nicht.
  • Wir raten von der außschließlichen Fütterung mit Mehlwürmern ab – diese enthalten nicht alle wichtigen Nährstoffe.
  • Igel bitte nicht baden – hoher Stress könnte dem Tier das Leben kosten.
  • Verwenden Sie keine Wärmelampen – Austrocknungsgefahr!
  • Lassen Sie keine Wasserschüsseln in dem Transportbehältnis. Das Wasser wird sonst beim Transport verschüttet, das Tier wird nass und kühlt aus.
  • Ziehen Sie das Tier bitte nicht selbst auf.
    Wir verstehen, dass die Handaufzucht von so kleinen Tieren eine besondere Erfahrung ist. Gleichzeitig ist sie aber enorm zeitaufwändig. Vor allem kleine Tiere müssen Tag und Nacht alle zwei Stunden versorgt werden. Wenn nur ein Tier gefunden wird und das Hörnchen daher alleine aufwachsen muss, ist es fehlgeprägt. Fehlgeprägte Tiere werden in der Natur von Artgenossen im besten Fall verstoßen, im schlimmsten Fall getötet. Darüber hinaus muss die Auswilderung in einem entsprechenden Rahmen geschehen. Offensichtlich selbstständige Tiere können nicht einfach in die Freiheit entlassen werden!

Wie können Sie den Igeln im Alltag helfen?

  • Fahren Sie nachts vorsichtig – Igel könnten die Straße überqueren.
  • Stellen Sie Futterplätze und Igelhäuser in Ihrem Garten zur Verfügung – die Igel werden das Angebot gerne in Anspruch nehmen und Ihnen vielleicht bei der nächsten Schneckenplage eine Hilfe sein.
  • Gestalten Sie Ihren Garten natürlich! So können Igel im Laub Unterschlupf und Insekten als Nahrung finden.
  • Verwenden Sie in Ihrem Garten keine Insektizide oder sonstige giftige Substanzen, die über ihre Beute von den Igel aufgenommen werden können.
  • Im Winter ist besondere Vorsicht bei der Nutzung von Holzstapeln geboten – Igel halten gerne in den Lückenräumen Winterschlaf.
  • Kontrollieren Sie zu jeder Jahreszeit am Vortag vorbereitete Lagerfeuerstellen. Häufig zieht dort über Nacht ein Igel ein.