Glaskollisionen bei Vögeln

Sperling

Kollisionen mit Glasscheiben stellen eine häufige Todesursache von Vögeln dar. Gerade im Frühjahr bzw. zu den Zugzeiten bekommen wir viele auf diese Weise verunglückte Tiere mit Schädel-Hirn-Traumata. Durch die Spiegelung von Scheiben wird Vögeln eine freie Flugbahn suggeriert. Dadurch fliegen die Vögel ungebremst mit hoher Geschwindigkeit (locker 30 bis 50 km/h) gegen die Scheiben – das Ergebnis kann man sich vorstellen.

Symptome

Bestimmt haben Sie bereits einmal einen (erwachsenen) Vogel gesehen, der mit zusammengekniffenen Augen dasaß oder ohne offensichtliche Verletzungen in Seitenlage lag. Häufig äußert sich das Trauma durch Koordinationstörungen: Die Vögel plustern, kneifen die Augen zusammen, sie können nicht gerade stehen, nicht fliegen, legen den Kopf schief, überschlagen sich. Kurzum – ihnen ist schwindlig. Nicht selten lassen sich solche Tiere ohne Weiteres anfassen – manche von ihnen wirken unverletzt und erwecken einen regelrecht zutraulichen Eindruck. Lassen Sie sich davon nicht täuschen, diesen Tieren geht es nicht gut, auch wenn sie halbwegs flugfähig sind! Sieht man genauer hin, bemerkt man schnell, dass auch anscheinend unverletzte, zahme Vögel schnell ermüden und einschlafen, sobald man sie in Ruhe lässt.

Schwanzmese mit Anflugtrauma

Schwanzmeise mit Anflugtrauma – kann fliegen und picken, erweckt aber einen zutraulichen Eindruck und ermüdet schnell.

Erste Hilfe bei Anflugtrauma

Der Erfolg der Behandlung hängt mitunter von der Schnelligkeit der Reaktion der FinderInnen ab: Es gilt, den Vogel kühl und dunkel (etwa in einem Karton mit Deckel und Luftlöchern) zu lagern. „Kühl“ bedeutet hierbei lediglich minimal unter Zimmertemperatur (19 – 20 °C), da die Tiere häufig auch noch unter Schock stehen und dadurch schnell auskühlen. Bei hohen Außentemperaturen hilft es schon, den Vogel aus der Hitze in einen halbwegs angenehm temperierten Raum zu stellen – ein plötzlicher drastischer Temperaturunterschied (z.B. von über 30 °C auf Kellertemperaturen) wäre nicht förderlich.
Nachdem der Vogel sicher verstaut wurde, verständigen Sie ehestmöglich einen Tierarzt oder eine Wildtierauffangstation, denn binnen weniger Stunden sollten Medikamente verabreicht werden, die ein Anschwellen des Gehirns verhindern. Allerdings spielt auch ein bisschen Glück mit, denn wenn Blutungen im Gehirn entstehen, kann man leider oft nicht mehr viel machen. Diese Einblutungen bewirken nämlich, dass andere Blutgefäße blockiert werden, wodurch die einwandfreie Durchblutung des Gehirns nicht mehr möglich ist. Als Folge dessen kann auch ein Hirnödem entstehen (erkennbar an deutlich hervorquellenden Augen), dabei sammelt sich Gewebsflüssigkeit in der Schädelregion an.

Bringt es etwas, abzuwarten?

In milden Fällen kann man unter Absprache mit Fachleuten evt. eine halbe Stunde – Stunde abwarten, ob sich der Vogel erholt und davonfliegt. Es stimmt, dass Vögel nach einer Glaskollision oft nur kurz benommen und verwirrt sind und sehr schnell wieder alles in Ordnung ist. Nichtsdestotrotz ist ein Abwarten und Fliegen lassen sehr riskant, da die Flugfähigkeit eines Vogels nicht unbedingt seinen Gesamtzustand widerspiegelt. Selbstverständlich sind Vögel gestresst in so einer Situation und versuchen schnellstmöglich, ihren Standort zu verlassen, um nicht zum Opfer eines Beutegreifers zu werden. Man könnte so ein Verhalten als eine Art “letztes Aufbäumen” interpretieren, danach geht es den Tieren aber keineswegs besser: Dass die Vögel mitunter einige hundert Meter weiter im Gebüsch wieder abstürzen, wo man sie nicht mehr findet, ist ein Umstand, den man im Hinterkopf behalten sollte, bevor man solche Tiere wieder auslässt.

Nicht vergessen werden darf auch, dass eine Gehirnerschütterung nicht unbedingt die einzige Folge einer Glaskollision ist. Es können auch andere Verletzungen entstehen, mit denen man den Vogel ehestmöglich in fachkundige Hände geben sollte:

  • Nasenbluten
  • Emphysem: Hierbei kommt es zu einem Riss im Luftsack, wodurch dieser sich mit Luft füllt. Das sieht dann aus wie eine mit Luft gefüllte Blase unter der Haut, oft haben die Vögel dadurch an eigenartigen Stellen einen Knubbel,
  • Schnabelbruch
  • Augenverletzungen (sehr häufig bei Schnepfen)
  • Luxationen
  • Knochenbrüche: Diese werden vor allem am Schlüsselbein bei Mauerseglern häufig übersehen.
  • Wirbelsäulenverletzungen: Auch diese bleiben oft lange unbemerkt. Bewegt der Vogel beide (!) Beine nicht und zeigt er auch keine Reflexe (Lähmung!), ist das schon ein deutlicher Hinweis auf eine gravierende Wirbelsäulenverletzung.

Vögel mit Anflugtrauma haben vor allem eines: Kopfschmerzen. In vielen Fällen hat es sich bewährt, den Tieren unnötiges Leiden zu ersparen und sie gleich zu TierärztInnen zu bringen, damit von diesen Schmerzmittel verabreicht werden kann.

Glaskollisionen verhindern

Aber wie kann man nun verhindern, dass Vögel überhaupt gegen Scheiben fliegen? Viele von Ihnen kennen bestimmt Sticker in Form von Greifvögeln, haben diese bereits ausprobiert und festgestellt, dass diese nur mäßig funktionieren. Der Verein AURING – eine biologische Station in Hohenau – beschäftigt sich seit Jahren mit dieser Problematik und ist im Zuge langjähriger Forschungsarbeit zu dem Ergebnis gekommen, dass sich Strukturen in Form von senkrecht verlaufenden Streifen am besten dafür eignen, Vögel vor Kollisionen mit Glasscheiben zu schützen. Der Versuchsaufbau ist übrigens sehr aufwändig und unheimlich spannend, weswegen wir Ihnen den weiterführenden Link zur Forschungsarbeit des Vereins sehr ans Herz legen möchten. Geprüfte dekorative Muster, welche sich zum Schutz vor Glaskollisionen eignen, finden Sie hier.

Quellen: